BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung

Transferphase Programmphase [abgeschlossen]

BQF-Programm

Startseite

Programminformationen

Projekte

Veröffentlichungen

Aktuelles

Programme des ESF

Impressum

Suche

Europa - Das Portal der Europäischen Union

Differenzierte Berufseinstiege fördern individuelle Kompetenzen

Resümee und Perspektiven bei der Abschlusstagung zum BQF-Programm in Berlin

Im Rahmen des BQF-Programms wurden in fünf Jahren insgesamt 136 Projekte gefördert. In diesen Projekten wurden innovative Wege erprobt, wie die Unterstützung junger Menschen mit schlechteren Ausgangsbedingungen bei ihrem Berufseinstieg strukturell und inhaltlich verbessert und dadurch wirksamer und erfolgreicher werden kann. Die Ergebnisse aus der Programmumsetzung und seiner Auswertung im Rahmen der eingerichteten "Entwicklungsplattformen" werden nun durch eine Präsentation in Form einer Wanderausstellung auf einer Reihe von Einzeltafeln sichtbar gemacht und die vielen Aspekte und Facetten des BQF-Programms übersichtlich, griffig und anschaulich in Text, Grafik und Bild dargestellt. Als weiteres Produkt und Extrakt der Erkenntnisse und Vorschläge aus dem Programmverlauf wurde auf der Tagung eine fünfbändige Schriftenreihe druckfrisch verteilt. (siehe dazu Hinweis zu den Handreichungen)

Abschlussrede von Peter Munk (BMBF)

Abschlussrede von Peter Munk, Leiter der Referates "Jugendliche mit schlechteren Startchancen; Innovationen in der beruflichen Bildung" im BMBF

Viele der rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung waren als Akteure im Rahmen der einzelnen Projekte ins BQF-Programm involviert, so dass sie als Expertinnen und Experten sehr aufmerksam verfolgten, unter welchen Aspekten die Programmpraxis vom Veranstalter, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Zusammenarbeit mit dem Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR), dargestellt und diskutiert wurde. In der Atmosphäre der Tagung wurde die Kompetenz des Publikums und seine hohen Erwartungen jederzeit spürbar, weshalb es auch eine gute Idee der Tagungsregie war, einer Journalistin die gesamte Moderation durch die Veranstaltungsteile zu übertragen. Judith Schulte-Loh vom Westdeutschen Rundfunk zeigte sich inhaltlich sehr gut vorbereitet und konnte Fachstatements mit allgemein interessierenden Fragestellungen gut kontrastieren. Der Verlauf der Tagung war deshalb durch vitale Spannung bestimmt und an keiner Stelle ermüdend. Diese Wirkung wurde noch durch das Rahmenprogramm verstärkt, in dem die Berliner Theatergruppe "Diskoteater Metropolis" starke Akzente setzte. In einer Variation von Brechts "Mahagonny" wurden die moralischen Verwerfungen des modernen Großstadtlebens aus der Perspektive von Jugendlichen mit den erlebten Erfahrungen von Migration, Arbeits-, Ausbildungs- und Identitätssuche interpretiert. Wie radikal anders junge Menschen heute sein wollen, brachte eine der Schauspielerinnen mit dem Begriff "durchgeknallt" auf den Punkt, als sie nach ihren Gefühlen auf der Bühne befragt wurde. In einem Filmbeitrag, produziert von Jugendlichen unter der Regie von drei BQF-Projekten (Zukunftsbau gGmbH, Gemeinnütziges Institut für Berufsbildung Dr. Engel GmbH, Jugendwerkstatt Felsberg e.V.), wurden anschaulich die Erfolge des Programms hier durch die Zielgruppe selbst erläutert.


Dass auch das BQF-Programm einen vitalen Ansatz verfolgt, drückt sich im Programmtitel "Kompetenzen fördern" bereits aus, wie Angelika Block-Meyer vom BMBF betonte. Eindrücke von der AusstellungDamit würde die durch das Programm zu fördernde Zielgruppe nicht mehr auf ihre Defizite, sondern auf ihre Stärken angesprochen. Mit dieser Aussage ist auch die langfristige Strategie der Benachteiligten-förderung als "Daueraufgabe" beschrieben, die in allen Reden und Diskussionsbeiträgen, von Staatssekretär Andreas Storm über die Moderatorinnen und Moderatoren der vier Entwicklungsplattformen des Programms - Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning, Prof. Dr. Ruth Enggruber, Dr. Hans-Joachim Petzold, Claus Schroer, ,- oder in den fünf thematischen Foren bis zur abschließenden Podiumsdiskussion beim Wort genommen wurde.

Zielsetzung der Bundesregierung sei es, allen Jugendlichen eine Chance auf eine Ausbildung zu eröffnen, erklärte Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, in seiner einführenden Rede und benannte den besonderen Bedarf an Unterstützung für Leistungsschwächere, sozial benachteiligte oder auch junge Menschen mit Migrationshintergrund beim Übergang von der Schule in den Beruf. Nach der fünfjährigen Phase des BQF-Programms liege nun ein differenziertes Instrumentarium der Förderung individueller Kompetenzen und differenzierter Berufseinstiege vor, dessen praktische Anwendung nunmehr als nächste Aufgabe in einer Transferphase anstehe, in der für herausragende Ergebnisse eine effektive Breitenwirkung erzielt werden solle (siehe dazu auch Pressemitteilung vom 13.11.06).


Wie diese Jugendlichen mit von der Wirtschaft geschätzten und gesuchten praktischen Berufsfähigkeiten, aber Schwächen bei den theoretischen Lerninhalten gestärkt werden können, zeigten nicht zuletzt die Ausführungen der Wissenschaftler Prof. Dr. Manfred Eckert und Prof. Dr. Carsten Becker, die auf die Potenziale in dieser wachsenden Gruppe junger Menschen hinwiesen: Wenn von Individualisierung in der beruflichen Bildung und einer schrittweisen Heranführung an Lernziele durch modulare Lernschritte die Rede war, wurde deutlich, dass Flexibilität des deutschen Berufsbildungssystems gefragt ist und langfristig eine Einstellung auf die europäische Zielsetzung des lebensbegleitenden Lernens erfolgen muss.
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde engagiert über den zukünftigen Handlungsbedarf im deutschen Berufsbildungssystem - insbesondere für benachteiligte Jugendliche - debattiert. Sanem Kleff, als Vertreterin der Bundeskoordination "Schule ohne Rassismus - Schule ohne Courage" erinnerte zu Beginn eindringlich daran, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund keine Minderheit darstellten, sondern in den nächsten Jahren mindestens 30 % der jungen Menschen ausmachen würden. Gespräch im FoyerInsofern sei es zu begrüßen, dass diese Frage im BQF-Programm inzwischen als Querschnittsthema über alle Bereiche hinweg anerkannt werde. Es sei eine gesellschaftlich höchst relevante Aufgabe, auch diesen Kindern, die ebenfalls ein hohes Bildungspotenzial hätten, bessere Zugangsmöglichkeiten zur Bildung zu eröffnen. Im weiteren Diskussionsverlauf wurden von Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im BMBF, Prof. Dr. Friedrich Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, Ingrid Sehrbrock vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Klaus Oks von der Bundesagentur für Arbeit, Chancen und Risiken des Dualen Ausbildungssystems und daraus folgende Handlungsoptionen benannt.

Prof. Dr. Ruth Enggruber forderte die Politik auf, den Fundus an Ergebnissen des BQF-Programms zu nutzen und daraus ein kohärentes Fördersystem für benachteiligte Jugendliche neu zu gestalten.
Anhand von zwei Beispielen erläuterte Roland Matzdorf aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, wie regional abgestimmte Fördersysteme (in Siegen) funktionieren und Ausbildungsabschlüsse auch auf neuen Wegen ("dritter Weg") erreicht werden können.
Sven Kjellström von der Europäischen Kommission schließlich ermunterte Deutschland dazu, die Zeit des momentanen konjunkturellen Aufschwungs zu nutzen, um "mit Kühnheit" notwendige Modernisierungsprozesse in Gang zu setzen.
Die Moderatorin Judith Schulte-Loh verstand es auch hier, eine interessante und kontroverse Diskussion in Schwung zu halten, die aus Sicht vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer ruhig noch eine Weile länger hätte dauern können.

In seinem Schlusswort bedankte sich Peter Munk, Referatsleiter im BMBF, ausdrücklich bei allen am BQF-Programm Beteiligten für das große Engagement und die Kreativität und Hartnäckigkeit, mit der an den Zielen gearbeitet wurde. Er richtete seinen Dank auch an alle, die zum guten Gelingen der Abschlusstagung beigetragen haben.

Die Ergebnisse der Abschlussveranstaltung werden schriftlich dokumentiert und den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung zur Verfügung gestellt.

Autor: Ewald Schürmann, freier Journalist